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Mal angenommen, Sie haben einen Onkel in Amerika. Oder eine Tante. Oder einen Neffen. Oder eine Nichte. Jedenfalls einen Verwandten oder eine Verwandte. Von dem oder von der Sie durch Zufall vor dreißig Jahren erfahren und drüben das erste Mal besucht haben. Und mal angenommen, Sie waren damals ganz stolz, dass sich in Deutschland so einige Amerikanismen eingebürgert haben, die unheimlich ‘cool’ klangen: Im Radio hörten Sie ‘Songs’. Oder ‘Hits’. Oder im Fernsehen sahen Sie ‘Pop-Stars’. Oder ‘Reporter’. Oder in der Zeitschrift entdeckten Sie ‘Trendsetter’. Oder ‘Pin-up-Girls’. Oder im Treppenhaus benutzten Sie einen ‘Lift’. Oder im Haushalt einen ‘Shaker’.
Ach, waren das noch Zeiten!
Mal angenommen, dreißig Jahre später besucht Sie Ihr Onkel aus Amerika. Oder Ihre Tante. Oder Ihr Neffe. Oder Ihre Nichte. Auch das erste Mal. Jedenfalls der oder die gleiche Verwandte, den oder die Sie damals drüben kennengelernt haben. Sie holen ihn oder sie z.B. am Airport ab. Und dann wird’s heavy: Als Warm up wellcomen Sie ihn oder sie mit einem Drink. Oder, quasi als Lead in, arrangieren Sie ein Get together mit ihm oder ihr, mit Fastfood bei Breakfast oder Lunch. Oder stand-by outen Sie ihm oder ihr Ihr Home mit einem Rooming in. Oder Sie moven mit ihm oder ihr on the road, also Sight seeing oder sogar Travelling mit Looking oder Shopping. Auf gut deutsch: Sie haben sich mit Ihrem Onkel or Ihrer Tante or Ihrem Neffen or Ihrer Nichte total committet. Or not?
Whow, was sind wir heute trendy geworden!
Zum Abschied dann wird Ihr Onkel oder Ihre Tante oder Ihr Neffe oder Ihre Nichte mit dem guten Gefühl nach Amerika zurückkehren, in ‘Good old Germany’ gewesen zu sein. Oder, sorry, war das nicht mal Deutschland – Goethes Deutschland?

21. Februar 2013 von Bernd Lange
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