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✓ Speisen

Mal angenommen, Sie haben Lust auf Essen gehen. Zum Beispiel beim Italiener. Oder beim Spanier. Oder beim Griechen. Oder beim Türken. Oder beim Chinesen. Oder gut bürgerlich. Ist eigentlich egal bei wem – Sie gehen in ein Lokal.
Sie sitzen nun beim Italiener oder beim Spanier oder beim Griechen oder beim Türken oder beim Chinesen oder in einer gut bürgerlichen Gaststätte und haben die Karte vor sich. So eine übliche mit ca. 30 Seiten. Das fängt mit ca. 3 Seiten an, bestehend aus ca. 23x Vorspeisen, z. B. ca. 8x Suppen oder 15x Salaten. Oder das geht weiter mit ca. 14 Seiten, bestehend aus ca. 43x Hauptgerichten, z. B. mit ca. 24x Fleisch oder mit ca. 11x Fisch oder ca. 8x vegetarisch, mit Nudeln oder mit Reis oder mit Kartoffeln oder mit Gemüse oder mit Salat oder mit Brot. Oder dann folgen ca. 2 Seiten Desserts oder Nachtisch mit ca. 11x Süßem oder 6x Saurem, heiß oder warm oder kalt oder eisig, saftig oder trocken oder gemischt. Oder es folgen die Getränke, insgesamt ca. 11 Seiten. Mit ca. 2 Seiten ca. 12x Warmen oder mit ca. 3 Seiten ca. 25x Kaltem, alkoholfreien oder alkoholischen Getränken oder mit ca. 4 Seiten Weinen, Speisenca. 13x Rotem oder ca. 16x Weißem oder ca. 7x Rosé oder mit ca. 2 Seiten aus ca. 13x Aperitifs oder 10x Digestifs.
Kurz: Sie lesen 15 oder 20 oder 25 oder 30 Minuten in der Ihnen vorgelegten Speise- und Getränkekarte. Die sich nur marginal oder wenig bedeutsamer unterscheidet, je nachdem, ob Sie beim Italiener oder beim Spanier oder beim Griechen oder beim Türken oder beim Chinesen oder in einer gut bürgerlichen Gaststätte sitzen.
Mal angenommen, Sie haben jetzt die Qual der Wahl. Nach 15 oder 20 oder 25 oder 30 Minuten haben Sie’s satt. Und höchstwahrscheinlich sind Sie inzwischen auch satt. Weil Sie eigentlich etwas essen oder etwas trinken wollten. Und nicht lesen oder nachdenken wollten.
Guten Appetit. Oder so.

 

26. April 2013 von Bernd Lange
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