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Mal angenommen, Sie wollen demnächst verreisen. Mal so richtig entspannen. Oder so richtig die Sau rauslassen. Oder ganz relaxed in der Sonne liegen. Oder am Meer. Oder ganz powermäßig Sport und Action machen. Oder ein Wanderprogramm. Kurz und gut – Sie wollen mal so richtig raus aus dem Alltag.
ReisenSoweit, so gut. Mal angenommen, Sie gehen in ein Reisebüro und lassen sich einen Stapel Kataloge geben. Über Reisen in die Karibik. Oder auf die Malediven. Oder die Kanaren. Oder die Balearen. Oder über Expeditionen nach Nepal. Oder durch Südamerika. Oder auf Grönland. Oder quer durch Neuseeland. Sie haben also die entsprechenden Urlaubskataloge und fangen an, sich durchzuforsten.
Und nun fängt’s schon richtig an mit der Erholung. Da steht etwas von 14 Tage buchen und 10 Tage bezahlen – aber nur von Mittwoch bis Dienstag. Doch Sie können nur von Samstag auf Samstag. Oder Sie lesen, zwischen 8. Mai und 6. Juni gibt’s 20% Nachlass – aber nur ab Hamburg und Berlin. Doch Sie wohnen in Stuttgart. Oder es gibt ein Special-Angebot bei Mitnahme von mindestens drei Kindern – aber nur im Alter zwischen drei und sechs Jahren. Doch Sie sind Single. Oder Sie kommen in den Genuss eines sensationell kostengünstigen Pauschalarrangements: Sie buchen Halbpension und erhalten Vollpension – aber nur bei mindestens drei Wochen Aufenthalt. Doch Sie können lediglich 14 Tage weg.
Kurz und gut. Oder lang und schlecht. Sie kapitulieren vor dem Tarif- oder Preisdschungel der einzelnen Anbieter. Da 10% weniger oder dort 15% Nachlass oder hier ein Rabatt von 10+2. Oder da ein Saisonzuschlag von 50 Mark pro Woche oder dort eine Preiserhöhung von 60 Mark ab Flughafen Stuttgart oder hier ein grundsätzlicher Aufschlag von 10% zusätzlich auf den Grundpreis für November/Dezember.
Sie gehen also ins Reisebüro und lassen sich beraten. Nach zwei Stunden haben Sie vier oder fünf oder sechs Alternativen mit direktem Preisvergleich – alle zwischen 1500 und 2000 Euro, entsprechend Ihrem geplanten Budget. Erstaunlich, wie die im Reisebüro diesen Dschungel beherrschen, denken Sie sich.
Sie gehen wieder frohen Mutes nach Hause und überschlafen noch mal alles. Oder überdenken nochmals die Kosten. Oder wägen ab, was Ihnen am allerbesten gefallen könnte. Oder träumen schon mal vorab ‘ne Runde von Ihrer künftigen Reise.
Also – am nächsten Tag nochmals ins Reisebüro und buchen. Ihr Favorit – leider ausgebucht. Oder dann Ihre Alternative – kein Flug mehr frei. Oder dann Ihre Nummer drei – Warteliste an 15. Stelle. Oder dann Ihr nächster Kompromiss – kein Einzelzimmer mehr. Usw. Usf. Alles in allem stellt sich heraus: Nichts geht mehr.
Doch der Lichtblick am Himmel: Last Minute. Sie denken, klar, warum bin ich nicht gleich drauf gekommen, ist ja auch viel billiger. Wunderbar! Eine Woche Zelt-Urlaub in der Eifel incl. Survival-Training und individueller An- und Abreise für sage und schreibe läppische 2600 Euro. Ist doch was, oder?
Oder haben Sie sich Ihre Reise etwa anders vorgestellt? Sie wollten doch mal so richtig raus aus dem Alltag? Oder nicht? Oder doch? Oder wie? Oder was?

28. März 2013 von Bernd Lange
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